Diese in Bayern einzig autochthone Rinderrasse wird auch „Oberländer“, „Murnauer“ oder „Rote“ genannt und zeichnet sich durch eine große Farbenvielfalt aus.
Meist besitzen die MW-Rinder einen helleren Aalstrich, und das Flotzmaul sowie die Augen sind gleichfarbig. Die Rasse ist mit ihren harten Klauen und den stark belastbaren Gelenken sehr gut an Moor- und Sumpflandschaften angepasst und durch den eher zierlicheren Körperbau ebenso für steilere Almen geeignet.
Dank der lang anhaltenden Fruchtbarkeit mit bis zu 10 oder auch mehr Kälbern sind MW-Rinder bis ins hohe Alter auch wirtschaftlich rentabel. Ebenso ist die Leichtkalbigkeit der Kühe für die extensive Haltung von großem Vorteil, da dadurch geringere Tierarztkosten anfallen. Die Milch der Kühe hat eine einzigartige Zusammensetzung von Milchproteinen, die die Grundlage für besondere Käsespezialitäten sind. Ebenso zeichnet sich das Fleisch durch eine besondere Qualität aus, die durch die Kurfaserigkeit und Zartheit bestimmt wird. Zur genaueren Untersuchung des Fleisches der MW im Vergleich zu anderen Rassen ist ebenfalls eine Dissertationsarbeit am Institut für Hygiene und Technologie der Lebensmittel tierischen Ursprungs, PD Dr. Barbara Schalch der LMU München geplant.
Die Rasse entstand Ende des 19. Jahrhunderts aus Kreuzungen des Oberinntaler und des Graubündner Grauvieh, des Allgäuer und Schweizer Braunviehs, sowie des Mürztaler, Murbodener und Ellinger Viehs. Als typisches Dreinutzungs-Rind waren vor allem die Ochsen als Arbeitstiere bei den Landwirten beliebt. Damals gab es noch etwa 62000 Tiere, die sich bis 1936 auf knapp 23000 reduzierten. Leider sanken die Tierzahlen schließlich v.a. nach dem zweiten Weltkrieg stetig weiter. Dies lag sowohl an der Brucellose- und Tuberkulosebekämpfung, als auch daran, dass sich viele Züchter in den 1950er und 1960er Jahren mehr dem milchleistungsbetonten Fleckvieh oder Braunvieh zuwandten. Dieser Trend wurde auch durch den Zuchtverband für einfarbiges Gebirgsvieh in Oberbayern forciert, der sogar die Teilnahme von Murnauern an Auktionen verbot. Die Anzahl der reinen MW-Züchter im ursprünglichen Zuchtgebiet ging im Zeitraum von 1970 bis 1975 von 60 auf sechs zurück. Heute ist die Reinzuchtpopulation durch Einkreuzung anderer Rassen, wie Braunvieh, Gelbvieh oder Fleckvieh, vor allem aber durch das französische Tarentaise-Rind, stark bedroht. Denn dadurch ist der originäre genetische Pool bereits sehr geschrumpft.
Seit den siebziger Jahren wird nun wieder vermehrt Wert auf den Erhalt dieser besonderen Rasse gelegt. Seit 1976 hält der Bayerische Staat auf einem Nebenbetrieb des Haupt- und Landgestüts Schwaiganger eine Mutterkuhherde der Murnau-Werdenfelser als Genreserve. In den Achtzigern wurden vom Zuchtverband mit Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten 7200 Samenproben von 9 Stieren aus drei Linien sowie 30 Embryonen tiefgefroren. Ebenso wurde in Bayern eine staatliche Förderung für Haltungsverträge beschlossen.
Die noch vorhandenen Tiere werden meist in Mutterkuhherden gehalten, einzelne sind bei privaten Liebhabern, in Tierparks oder auf Archehöfen über ganz Deutschland verteilt zu finden. Eine genaue Bestimmung der Tierzahlen ist aufgrund dieser weitgestreuten Verteilung und einer schwer zu eruierenden Dunkelziffer zurzeit nicht gegeben. Es sind daher Maßnahmen zu ergreifen, die zentral für den Erhalt dieser einzigartigen Rasse sorgen und dadurch auch einen Beitrag zur Bewahrung der Artenvielfalt leisten.
Autor: Elisabeth Pistory